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Ich seh dich!



Ich seh dich!


Ich seh dich!

Fast dreiviertel der Kinder und Jugendlichen leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. Die Kinder selbst befragt, gaben Anfang 2022 81 Prozent an, „ziemlich“ bzw. „äußerst“ psychisch belastet zu sein. (Abschlussbericht BMJFSJ, 08.02.2023).

Das sind in einer Klasse mit 20 Schüler 16 Kinder. 16 Kinder!

Das macht mich unfassbar traurig, wütend aber auch sprach- und hilflos. Ich meine, wir versäumen hier eine immense Chance, wir spielen quasi nicht nur mit unserer Zukunft, sondern auch der Zukunft unserer Kinder. Das können wir doch nicht wirklich wollen?

Wir kümmern uns wirklich um jede Gruppe, wir gendern, wir wollen keinen brüskieren und oft interpretieren wir zu viel. Wir reden nicht mehr miteinander, wir reden übereinander.

Aber bei all den vielen Problemchen, um die wir uns in der letzten Zeit gekümmert haben, haben wir ein ganz wichtiges, den (!) Eckpfeiler unserer Zukunft schlechthin einfach vernachlässigt. Unsere Kinder. Wir müssten alles menschenmöglich tun, um sie aufzurichten, um bei ihnen zu sein, sie zu sehen und ernst zu nehmen, mit all ihren Gefühlen, Träumen, Ängsten und Enttäuschungen. Aber zuerst haben wir eins zu tun, so ganz ohne Umschweife: Wir müssen uns entschuldigen!

Wir habens verbockt. Ganz einfach. Und mir persönlich tut es unendlich leid.

Abgesperrte Spielplätze, Verbot von Treffen mit Freunden, ständiges, kontrolliertes Hände waschen, Hygieneregeln, Kleinkinder mit Masken, Ausgangssperren, projizierte Ängste, Frieren im Klassenzimmer, Homeschooling, was einem Wegsperren gleich kam, Distanzunterricht, Ausfall von Sport und Kultur, abgesagte Klassenfahrten und -feiern, Bloßstellen von nichtgeimpften Kindern im Klassenverband, Absonderung und Testpflicht... wie perfide, rücksichtslos und verantwortungslos sind wir eigentlich als Gesellschaft geworden, dass wir so mit unseren Kindern umgegangen sind?

Und wenn mir jetzt einer sagt, „Ach komm, das waren nur drei Jahren.“ Dann sag ich, dass es für einen sechsjährigen sein halbes Leben war! Kannst du dir als 40-jähriger vorstellen, 20 Jahre deines Lebens all diesen Verboten ausgesetzt gewesen zu sein und wenn ja, was meinst du, hätte es mit dir gemacht?

Und jetzt kommt was?

Wir tun so, als ob einfach nichts gewesen wäre. Die Kinder sollen sich nicht so anstellen, schwierige Zeiten gab es schon immer, ganz speziell damals, nach dem Krieg …. Der Lehrplan wird durchgepeitscht, egal ob die Kinder mitkommen oder nicht, ob die Voraussetzungen gelegt sind oder durch Homeschooling gar nicht da sind. Alles dreht sich weiter und wir schauen kurz hin, dann aber auch schnell wieder weg. Zeigen uns doch die Probleme der Kinder unser eigenes Versagen auf.

Die Politik veröffentlichte einen Abschlussbericht und verspricht Hilfen, u.a. von 100 Mental Health Coaches an genau 100 (!) Schulen deutschlandweit. Ist das tatsächlich die Hauruckaktion, diese unbedingt notwendige Unterstützung, die alle Kinder brauchen. In Deutschland haben wir 40.000 Schulen. 100 Schulen sind genau 0,25 %. Wir leisten uns den Luxus 0,25 % der Schulen in Deutschland mit Mental Health Coaches auszustatten. Ja, Wahnsinn, ich werde verrückt. DAS ist eine unglaubliche Hilfe für die Kinder, das ist ein Doppelwumms, oder was? Ja genau, so stell ich mir Unterstützung für unsere Kinder vor.

Es hat also den Anschein, dass die Kinder noch immer nicht die Priorität in der Politik haben, die sie verdienen. Warum ist das so? Gut, sie protestieren nicht, sie dürfen auch nicht wählen und sind manchmal recht sprunghaft, auch ihre Kommunikation lässt zu wünschen übrig.

Aber, diese Kinder sind die Zukunft unseres Landes. Diese Kinder sind später vielleicht genau deine Altenpfleger, dein Arzt, deine Kassiererin? Diese Kinder gestalten unser Land und führen es in die nächsten Jahrzehnte. Und jetzt ist die Frage, inwieweit können wir das nun heute beeinflussen? Ganz einfach, in dem wir ihnen heute mit Respekt und Toleranz entgegentreten, sie ernst nehmen und ihnen den Halt und die Sicherheit geben, die sie zum Wachsen brauchen.

Also sollten wir alle, egal ob Eltern aller Art, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Musiklehrer, Nachbar oder Bekannter, wir alle sollten für unsere Kinder da sein. Wir alle müssen sie unterstützen, indem wir uns Zeit nehmen, ihnen zuhören, mal in den Arm nehmen, ihnen Bestätigung geben, dass alles in Ordnung ist, sie sehen. Lasst uns unsere Kinder endlich wieder sehen!


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